Nickelnkulk

Dieses Jahr fand ein Workshop „Nickelnkulk“ im Raum 102 bei Frank Blechinger statt.

 

Der Nickelnkulk war eine Braunschweiger Straße, die dort mindestens seit 1304 nachgewiesen ist. Die Bebauung bestand ausschließlich aus Fachwerkhäusern mit meist zwei Etagen. Sie gehörten zu den ärmsten Wohnquartieren der Stadt. Die Häuser wurden hauptsächlich von Handwerkerfamilien, vor allem Gerbern, Schustern und Lakenmachern bewohnt, die dort über Jahrhunderte ihrer Arbeit nachgegangen waren. Alte Braunschweiger Spottgedichte verdeutlicht die soziale Situation und verunglimpfen die Bewohner als Messerstecher und Menschenfresser. Der Nickelnkulk war ein feuchtes Gebiet an der tiefstgelegenen Stelle Braunschweigs, ca. 1 m unter dem Wasserspiegel der nahen Oker, was im Frühjahr oft zu Überschwemmungen führte. Der Name der Straße ist aus zwei Begriffen zusammengesetz. Ein „Nicker“ ist ein Wasserdämon, halb Mensch halb Fisch, der vom Wasser aus Kinder hinabzieht. „Kulk“ ist der mittelalterliche Begriff für eine Wasserkuhle. Hier haust somit der Nicker. Da Nicker auch als „Teufel“ verstanden wurde, kann der Straßenname auch als„Teufelsloch“ gedeutet werden. Der Nickelnkulk wurde im Feuersturm der Nacht vom 15.10.1944 komplett zerstört. Per Beschluss des Braunschweiger Stadtrates vom 18. September 1985 wurde der Name „Nickelnkulk“ trotz heftigen Widerstand des FDP Ratsherren Dr. Artur Wiswedel für aufgehoben erklärt. Folglich existiert diese Straße heute nicht mehr in Braunschweig. Heute befindet sich auf dem Verlauf des Nickelnkulks die Bauhalle der Johannes-Selenka-Schule und der Lehrerparkplatz. Am Geiershagen sind noch Reste des ehemaligen Bürgersteigs erkennbar.

Ein Ausschnitt unserer Schulumgebung von 1900!
Johannes-Selenka-Schule 1944
Schüler sprechen über die Vergangenheit ihrer Schule im Jahr 1944.